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Ricarda Lang räumt Versäumnisse ein

Der Erfolg der AfD liegt auch an anderen Parteien, sagt Ricarda Lang. Sie und Grünen-Chef Banaszak wollen mehr Offenheit. Die Grünen-Politikerin Ricarda Lang hat sich selbstkritisch gezeigt, was die Rolle ihrer Partei beim Erstarken der AfD betrifft. "Natürlich haben auch wir Grüne zum Aufstieg der Rechtsextremen beigetragen", sagte Lang im Podcast "n-tv Salon". Das gelte allerdings auch für alle anderen Parteien. Sie finde es "komplett absurd", wenn bei fast 30 Prozent für eine Partei alle anderen sagten, sie hätten damit nichts zu tun. In der Ampelzeit seien die Grünen inhaltlich unklarer geworden. Zugleich hätten sie sich bei der Frage, mit wem man rede, "kulturell verhärtet", sagte Lang. "In Teilen selbst verschuldet, in Teilen natürlich auch von außen noch mal in Zerrbilder vergrößert". So sei der Eindruck entstanden, dass man die richtige Sprache sprechen müsse, wenn man mitmachen wolle. "Wenn ich ein Mann bin, habe ich im Feminismus erst mal gar nichts zu suchen. Und wenn ich Auto fahre, dann bin ich beim Klimaschutz automatisch außen vor", sagte sie. Ricarda Lang: "Diese Debatte macht mich als Frau so aggressiv" Gen-Z-Brandbrief an Merz: "Hören Sie uns endlich zu!" Migration: "Haben einen Fehler gemacht" Lang fordert deshalb eine neue Offenheit. "Es sollte ja nicht darum gehen, eine Tür zu kreieren, die möglichst aussieht wie die im Berghain, sondern möglichst viele Menschen zum Mitmachen einzuladen." Auch Menschen, die Auto fahren, wollten, "dass ihre Kinder auf dem lebenswerten Planeten leben". Niemand müsse "ein bestimmtes Buch gelesen haben", um sich für soziale Sicherheit und Gerechtigkeit einzusetzen. Es könne nicht darum gehen, "im Kreis der Überzeugten uns gegenseitig auf die Schultern zu klopfen". Ziel sei, "raus aus der Blase zu gehen und Mehrheiten zu schaffen". Sie räumte auch Versäumnisse bei der Migrationsdebatte ein: "Ich finde, wir haben schon einen Fehler gemacht. Und das ist, dass diese ganze Integrationsdebatte in den letzten Jahren komplett ins Hintertreffen geraten ist", sagte Lang. Während ein Teil der Gesellschaft nur darüber reden wolle, "wer hier ankommt und wer wie schnell wieder gehen soll", hätten die Grünen aus Angst, Probleme anzusprechen, das Thema anderen überlassen. "Über Lösungen kann ich nur sprechen, wenn ich auch das Problem anerkenne. In dem Moment, wo ich sage, das Problem entsteht gar nicht, kann ich auch nicht mehr über die Lösung reden." Banaszak sieht Selbstwirksamkeit als Grund Parteichef Felix Banaszak erklärte, warum die AfD so viele Menschen erreiche: "Es gibt gerade nichts, was Menschen so viel Selbstwirksamkeit gibt wie eine Stimme für die AfD." Seine Partei müssten sich deshalb fragen, wie sie den Menschen wieder das Gefühl geben könnten, "dass ihre Stimme etwas zählt, dass ihre Perspektive etwas wert ist". Für die Grünen sei die Hürde dabei selten das Wahlprogramm, sondern "dass die Menschen das Gefühl haben, die Grünen mögen sie nicht". Banaszak erzählte, er sei ohne Auto aufgewachsen, weil sein Vater keinen Führerschein machen konnte. Der eigene Führerschein sei für ihn deshalb eine "tolle Freiheitserfahrung" gewesen. Wenn ihm jemand entgegne, "Auto ist Freiheit" sei kein grünes Narrativ, antworte er: "Da hast du vollkommen recht. Aber es war halt mein Leben, und mein Leben war kein grünes Narrativ. Das Leben der allermeisten Menschen ist kein grünes Narrativ." Inhaltlich beliebig sollen die Grünen dabei nicht werden, etwa beim Ziel der Klimaneutralität, betonte Banaszak. "Aber wenn wir Leute mit im Boot haben wollen, dann sollen sie nicht das Gefühl haben, wir reden ihnen ein, ihr Leben sei falsch oder sie würden das falsche Leben führen." Politik müsse zuerst am Alltag der Menschen ansetzen und sie dann mitnehmen. Ein Narrativ, das alle ausschließe, die nicht mitmachen, sei der falsche Weg. Wirbel um Wurst am Grillabend Wie das aussehen kann, schilderte Banaszak am Beispiel eines Grillabends im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt. Auf einem Campingplatz in der Altmark habe er bewusst nicht nur Veganes angeboten. "Auf dem Grill gab es halt nicht nur veganen Käseersatz, sondern eine Wurst. Eine echte." Daraus sei sogar die Überschrift von Zeitungsartikeln geworden: "'Auch Grüne essen Fleisch, fliegen in Urlaub und grillen Wurst.' Als wäre das eine Botschaft. Grüne sind Menschen, Herrgott!" Hätte er an diesem Abend gesagt, "es gibt hier übrigens nur die Tofu- und Seitanwurst aus dem Biomarkt", wären nach seiner Einschätzung nicht 65 Leute gekommen, sondern nur 15 Grüne. "Und dann wäre vermutlich das Gespräch weniger ergiebig gewesen und wir hätten es weniger geschafft, Hürden abzubauen. Und dafür werbe ich einfach, dass es uns hilft, die in der Sache ambitionierte Politik auch mehrheitsfähig zu machen." Banaszak führt die Grünen mit Co-Chefin Franziska Brantner seit November 2024. Auf dem Parteitag Anfang Dezember wollen beide für eine zweite Amtszeit kandidieren.