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Cadillac-Rückkehr nach Deutschland: Die US-Automarke ändert das Image

Cadillac startet in Deutschland neu – mit Elektro-SUVs statt Chrom und V8. Nun geht die Marke vermehrt Partnerschaften mit lokalen Händlern ein. Noch ist es ruhig im Autohaus Kramm in Französisch Buchholz, einer beschaulichen Ecke im Norden Berlins. Am Abend sollen mehr als 70 Gäste zur Eröffnung des neuen Cadillac-Verkaufsstandorts kommen. Eines der Modelle in der Ausstellung: das Oberklasse-SUV Vistiq. 5,21 Meter lang, drei Sitzreihen, vollelektrisch. Fürs Foto stellt sich Gerald Kelleter neben den Vistiq. Als Country Manager für Deutschland soll er dafür sorgen, dass die Deutschen Cadillac kaufen. Nur muss er ihnen dafür eine Marke neu erklären, die sie längst zu kennen glauben. Heckflossen, Musikvideos und Modern Talking Cadillac gehört zu jenen Automarken, bei denen allein der Name Bilder hervorruft. Gewaltige Straßenkreuzer, viel Chrom, noch mehr Blech. Die monumentalen Heckflossen eines Eldorado von 1959, der zum Geisterjäger-Auto umgebaute Cadillac aus "Ghostbusters". Jahrzehnte später das SUV Escalade. Oder auch einfach "Geronimo's Cadillac" von Modern Talking. "Cadillac ist eine der Marken, die am häufigsten in Musikvideos auftauchen", sagt er. Es gebe sogar eine Spotify-Playlist dazu. Kelleter erzählt von der langen Geschichte der Marke, vom V8 und den Besonderheiten: "Für mich ist Cadillac schon immer markantes Design gewesen", sagt er. "Die Autos fallen im Straßenbild auf." Dann schiebt er hinterher: "Muss man ehrlich sagen: derzeit noch nicht so in Deutschland, aber da arbeiten wir natürlich dran." Cadillac ist in Deutschland eine große Marke in den Köpfen – und eine sehr kleine auf den Straßen. 2024 begann die Marke ihre Rückkehr auf den deutschen Markt. 2025 wurden hierzulande 94 Cadillac neu zugelassen, im Jahr zuvor waren es 175 gewesen. In den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 kamen gerade einmal 26 Cadillac-Modelle neu auf die Straßen. Und das wiederum waren mehrheitlich (17 Exemplare) Escalade-Modelle mit Verbrennungsmotor , die gar nicht zum offiziellen Lieferprogramm von General Motors Germany gehören, sondern über die Importgesellschaft AECSV ins Land kommen. Marken brauchen Emotionen Kelleter macht keinen Versuch, daraus bereits eine Erfolgsgeschichte zu erzählen. Wer eine bekannte Marke mit neuen Produkten in einen Markt bringen wolle, müsse sie trotzdem zunächst aufbauen und emotionalisieren, sagt er. Cadillac wurde 1902 gegründet. In Autos der Marke ließen sich US-Präsidenten chauffieren, sie bevölkerten Hollywood-Filme und haben sich tief in der Popkultur festgesetzt. Nur ist der Cadillac, den Kelleter heute verkaufen will, ein anderer. Das aktuelle deutsche Angebot besteht aus Elektro-SUVs. Optiq, Lyriq, Lyriq-V und Vistiq heißen die vier Modelle. Neue Marken müssen erst einmal dafür sorgen, dass Menschen ihren Namen kennen. Cadillac muss aus einem Namen, den viele kennen, ein relevantes Geschäft machen. Und das ist schon früher nicht immer gelungen. Einen Cadillac gab es sogar als Diesel-Kombi Mitte der 2000er-Jahre versuchte Cadillac bereits einmal, stärker auf europäische Kunden zuzugehen. Heraus kam unter anderem ein Auto, das mit dem amerikanischen Straßenkreuzer-Klischee wenig zu tun hatte. Der Cadillac BLS basierte technisch auf dem Saab 9-3, wurde im schwedischen Trollhättan gebaut und eigens für Europa entwickelt. Es gab ihn mit Dieselmotor und später sogar als Kombi. Der große Durchbruch blieb aus, in fünf Jahren wurden in Deutschland gerade einmal 474 BLS verkauft. Knapp zwei Jahrzehnte später lautet die Antwort auf Europa nicht mehr Diesel und Kombi, sondern Elektro und SUV. Doch die Grundfrage ähnelt sich: Wie viel muss Cadillac von seinem amerikanischen Charakter behalten – und wie europäisch muss die Marke werden, damit Menschen hier ihre Autos kaufen? Kelleter erzählt vom GM-Designcenter in Großbritannien , von europäischer Entwicklungsarbeit und davon, dass sich Cadillac beim Interieur durchaus an europäischen Luxusmarken orientiere. "Wir sind GM, wir sind ein globales Unternehmen", sagt er. Kelleter kennt Neustarts GM ist für Kelleter nicht neu, seine Karriere begann 2008 bei Opel, damals noch Teil von General Motors. Fast zehn Jahre arbeitete er dort in unterschiedlichen Funktionen. Später folgten Jaguar Land Rover, Genesis, Lynk & Co und Changan Europe. Im Sommer 2025 kehrte er zu General Motors zurück und übernahm zunächst den Cadillac-Vertrieb in Deutschland. Seit September 2026 ist er Country Manager von General Motors in Deutschland und damit neben Cadillac auch für Corvette und weitere nordamerikanische GM-Fahrzeuge verantwortlich. Er kennt also nicht nur den Konzern, sondern auch die Arbeit, die hinter Marken, Vertriebsmodellen und Händlernetzen steckt. Wohl auch deshalb macht er keine großen Versprechen darüber, wie viele Autos die Marke bald verkaufen werde. "Wir haben kein konkretes Volumenziel, das wir irgendwo kommunizieren", sagt er. Wachsen wolle Cadillac durchaus. Der Optiq könne "ein relevantes Volumen bringen". Aber Kelleter spricht lieber über den Aufbau eines Netzes, über Service und darüber, Kunden überhaupt erst in die Autos zu bekommen. Und dafür sind die Händler entscheidend. Vom Onlineverkauf zurück ins Autohaus Als Cadillac im Mai 2024 in Deutschland neu startete, sprach General Motors noch von einem "rein elektrischen Direktvertriebsgeschäft". Kunden konnten ihren Lyriq online konfigurieren und bestellen, eigene Stores sollten die Marke erlebbar machen. Gut zwei Jahre später sitzt Kelleter nun im Obergeschoss eines klassischen Berliner Autohauses. "Wir haben festgestellt, dass gerade das Thema regionale Präsenz, regionaler Service und auch ein bekannter Händler für die Kunden wichtig ist", sagt er. Cadillac arbeitet inzwischen mit fünf Vertriebspartnern in Deutschland zusammen: in Berlin , Hamburg , Billerbeck bei Münster , Mönchengladbach und Dietzenbach bei Frankfurt . Das Berliner Autohaus Kramm passt ziemlich genau in Kelleters Vorstellung. Der Betrieb beschäftigt sich schon lange mit amerikanischen Fahrzeugen und verkauft und wartet neben anderen Marken auch US-Cars. Dass der neue Standort weit draußen im Berliner Norden liegt, sieht Kelleter nicht als Nachteil. Das Einzugsgebiet sei groß, sagt er. Gerade bei amerikanischen Autos seien Kunden bereit, für das passende Fahrzeug auch weitere Wege zurückzulegen. Ohnehin glaubt er an einen sehr handfesten Vorteil des Autohauses: Ein Händler, der ein Auto jeden Tag vor sich stehen hat, möchte es irgendwann auch verkaufen. Langer Atem ist nötig Der Automarkt ist im Umbruch. Neue Marken aus China drängen nach Europa, etablierte Hersteller kämpfen um Kunden, die deutschen Premiummarken verteidigen ihren Heimatmarkt. Und dann kommt Cadillac. "Wir wollen eine Alternative im deutschen Premium- und Luxussegment werden", sagt er. Einfach wird das nicht. Sowenig sich Kelleter auf Marktanteile festlegen lassen will, sowenig nennt er eine endgültige Größe für das deutsche Händlernetz. Stattdessen spricht er von Metropolregionen. Der Süden soll folgen. Ein Aufbau in Etappen. Gesucht würden Partner, die amerikanische Autos verstehen, Erfahrung mit Premiumkunden haben und gleichzeitig Elektromobilität erklären können. Cadillac hat dabei einen Vorteil, den viele neue Wettbewerber nicht kaufen können: Geschichte. "Die Marke ist bekannt", sagt Kelleter. "Wenn man sich die Marktforschung anschaut, zeigt sich: Mit der Marke kann man etwas anfangen." Der Name öffne schon einmal Türen. Ob daraus auch Verkäufe werden, entscheidet sich danach. Wie amerikanisch muss Cadillac sein? Die Autos sollen modern und europatauglich sein. Der Optiq trägt nach Kelleters Worten viel europäische Entwicklungsarbeit in sich. Gestaltet wurde er von einer französischen Designerin, getestet wurde er in Europa. Auch die Brembo-Bremsanlage wurde auf europäische Kunden abgestimmt, sagt er. Assistenzsysteme, Google-Dienste und künftig auch das teilautomatisierte "Super Cruise"-System, also eine Armada aus Systemen zum teilautomatisierten Fahren, sollen Cadillac als Technologiemarke positionieren. Gleichzeitig kann und soll sich die Marke nicht vollständig von ihrem alten Image lösen. Am Ende des Gesprächs kommt die Frage auf, was Cadillacs Autos technisch von anderen unterscheidet. Kelleter spricht über Batterietechnik, Assistenzsysteme und Sicherheit. Dann charakterisiert er die Modelle. Der Optiq sei auf Europa abgestimmt. Der Vistiq mit seinen sieben Sitzen sei das große Familienauto. Und der Lyriq? Kelleter ordnet ein: "Der Lyriq ist der amerikanische Cruiser, wenn man das so möchte." Nur dass ein amerikanischer Cruiser heute eben anders aussieht als noch vor 40 Jahren.