Trumps Jubiläumsfeier: Chaos, Evakuierung und Gewitter bei Independence Day
Kurz vor Donald Trumps großer Jubiläumsrede am 4. Juli bricht plötzlich Chaos aus: Das Festgelände wird evakuiert, Besucher berichten von Panik und kollabierenden Menschen. Doch am Ende erzwingt der US-Präsident seinen Auftritt. Bastian Brauns berichtet aus Washington Erschöpft lassen sich Ann und Jodie auf die Stühle in einem Kebab-Laden an der Ecke K Street und 14th Street in Washington sinken. "Das war nicht gut. Nein, das war gar nicht gut." Jodie schüttelt den Kopf. Und Ann sagt mit tonloser Stimme: "Er war einfach tot." Sie erzählen von einem Mann, der an der nahegelegenen Metro-Station vor ihren Augen mitten im chaotischen Gedränge gestorben sei. Die beiden Krankenschwestern haben für heute genug und wollen nur noch in ihr Hotel. Kein Krankenwagen sei einfach mehr durchgekommen. "Aber dafür war es eh zu spät", sagt Jodie. Fürchterlich schlecht organisiert sei hier alles. Hunderte Leute hätten allein versucht, sich in einen Fahrstuhl zu zwängen. "Es hat nicht viel gefehlt und jemand wäre niedergetrampelt worden." Offizielle Bestätigungen des von ihnen beschriebenen Vorfalls gibt es nicht. Aber das verwundert nicht, bei dem Chaos, das an diesem Tag in der US-Hauptstadt herrscht. Ann und Jodie sind enge Freundinnen seit ihrer Schulzeit, erzählen sie. Zusammen sind sie mit dem Auto den ganzen Weg aus Wisconsin und aus Ohio zu Trumps 250. Jubiläum in Washington gefahren. Wie Zehntausende andere Gäste haben sie den ganzen Tag über ausgeharrt in der sengenden Hitze von mehr als 38 Grad Celsius. "Die Leute standen Schlange und sind teils kollabiert", sagt Jodie. Kein Schatten, keine Sitzmöglichkeiten und kein Vorankommen über Stunden. Eine unerwartete Massen-Evakuierung Als sich die National Mall für die erwartete Rede des US-Präsidenten und das anschließende Feuerwerk am späten Nachmittag schließlich füllt, scheint alles umsonst gewesen zu sein. Aufgeregt rennen Beamte des Secret Service und der Polizei umher. "Sie müssen hier verschwinden", brüllen sie die Leute an, die sich gerade an Pizza- und Fritten-Ständen angestellt hatten. "Sie werden evakuiert", schreien die Beamten, während Dutzende Kampfjets über den Himmel donnern, um Amerikas militärische Stärke zu demonstrieren. Die Menschen, die seit Tagen aus allen Bundesstaaten des Landes für die große 250-Jahr-Feier angereist sind, wollen es nicht glauben. Ein aufziehendes Gewitter soll diesen großen Tag zunichtemachen? Tatsächlich toben in diesem Moment rund um Washington Unwetter . In der Ferne zucken bereits Blitze. Wolken verdunkeln den Himmel. Der aufkommende Wind fegt bereits die Blätter von den Bäumen. Die Sorge vor möglichen Opfern von Blitzeinschlägen oder herabstürzenden Bäumen scheint zu groß zu sein. Das eben erst mit von der Hitze erschöpften Menschen gefüllte Festgelände soll nach dem Willen der Organisatoren komplett geleert werden. Die Wettervorhersage zeigt nun ausgerechnet zum Zeitpunkt der erwarteten Rede von Donald Trump um 22 Uhr Ortszeit eine Gewitterwahrscheinlichkeit von 100 Prozent an. Es hilft also nichts. Der logistische Aufwand von Monaten scheint in diesem Moment in sich zusammenzubrechen. Kein Feuerwerk, keine Musik, keine Rede des US-Präsidenten. Orientierungslos strömen die Menschen in umliegende Museen und andere Gebäude wie dem angrenzenden Reagan-Building, die als Sicherheitszonen ausgewiesen werden. Trump: "Das ist mir egal" Kelly kam den ganzen Weg aus Montgomery in Texas und ärgert sich, dass man sie nicht mal mehr auf die Toilette ließ. "Ich bin sehr enttäuscht." Das bisschen Regen hätte diese Evakuierung doch nicht nötig gemacht, findet sie. "Nach drei Stunden Warten in der prallen Sonne, schicken sie einfach alle weg." Dann setzt sie sich neben ihren Mann auf die Wiese und weigert sich, zum Ausgang zu gehen. "Ich bleibe jetzt hier sitzen, bis sich mich raustragen", sagt sie. Als die aufgebauten Tribünen, Zelte und das ganze Gelände im Herzen Washingtons schließlich geleert sind, meldet sich der Präsident zu Wort. Donald Trump schreibt auf seiner sozialen Plattform Truth Social , dass es ihm egal sei, wann er rede. Es könne auch 2 Uhr morgens sein. Aber diesen 250. Geburtstag will er sich nicht nehmen lassen. "Es ist Samstagnacht. Lasst uns etwas Spaß haben", schreibt Trump. Seine Rede will er schließlich eine Stunde später um 23 Uhr halten. Menschen wie den beiden Krankenschwestern Jodie und Ann ist das alles zu aufwendig und anstrengend. Als der Secret Service die Tore zum Gelände wieder öffnet, sind viele bereits in ihren Hotels oder haben sich in Bars und Restaurants verkrümelt. Andere versuchen, mit ihren Autos irgendwie aus Washington wegzukommen. Der harte Kern der Festgemeinde aber kehrt zurück. In diesem Jubiläumsjahr sind deutlich mehr Trump-Anhänger in der liberalen US-Hauptstadt. Viele Bewohner haben es hingegen dieses Mal vorgezogen, die Stadt zu verlassen. Eine sanfte Rede nach Trump-Maßstäben Kurz nach 23 Uhr betritt Donald Trump schließlich die große Bühne zwischen dem Washington Monument und dem Denkmal für den Zweiten Weltkrieg . Begleitet von der Marschmusik, "Hail to the Chief", kurz nachdem der Sänger Lee Greenwood seine Version von Trumps Wahlkampfklassiker "God Bless the USA" vorgetragen hat. "Ihr denkt wohl, das war einfach? Das war es nicht", sagt Trump in Bezug auf die wetterbedingte Verzögerung. Es tue ihm leid, dass nun einige wohl nicht mehr zurückkommen konnten. Vieles an Trumps Rede wirkt gerade am Anfang so, als würde er hier einen Aufwasch seiner üblichen politischen Ansprachen halten. Er wettert mehrfach etwa gegen Kommunisten. Die seien wie "ein Krebsgeschwür", das man beseitigen müsse, so früh es nur geht. Die Geschichte habe bewiesen, dass das nicht funktioniert, so Trump. Doch anstatt wie sonst direkt zu seinem politischen Gegner, den Demokraten überzuleiten, scheint er sich dem Anlass entsprechend zurückzuhalten. Trump spricht nicht über "linke Verrückte" und nennt auch keine demokratischen Politiker. Man müsse nur gegen die Kommunisten im eigenen Land vorgehen. Aber vielleicht müsse man es auch nicht, so Trump. "Ich glaube, die Leute haben es ohnehin gelernt." Weiter aber geht der Präsident in dieser Geburtstagsnacht der ältesten modernen Demokratie nicht. Trump hält zwar keine große Einigungsrede, doch er wählt auch keine Worte der Spaltung. Für seine Verhältnisse spricht Trump an diesem 4. Juli fast schon redlich. "Dieses Land ist die Heimat der Freiheit", sagt er mit Blick auf den 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung. Trump zitiert aus dem historischen Dokument und galoppiert durch die Geschichte der Vereinigten Staaten. Immer wieder versucht er dabei, seine eigene Großartigkeit mit alten historischen Ereignissen zu verknüpfen. Das Versenken der iranischen Flotte vergleicht er darum mal eben mit einer glorreichen Seeschlacht im Spanisch-Amerikanischen Krieg im 19. Jahrhundert. Eingerahmt von originalen historischen Flaggen mit den berühmten Stars and Stripes, die aus den amerikanischen Museen extra herangeschafft wurden. Er bringt Nachfahren von Buffalo Bill auf die Bühne, Angehörige von gefallenen Soldaten, dazu über 100-jährige Vietnam- und Weltkriegs-Veteranen. Auch die Astronauten-Crew der jüngsten Artemis-II-Mission ins All bittet er auf die Bühne, um den Heldenmut der Amerikaner zu feiern. Ein gigantisches Feuerwerk zur Versöhnung Selbst bei der Länge seiner Rede hält sich Trump zum Jubiläum zurück. Mit den Worten, er sei stolz, der Präsident dieses Landes zu sein, beendet er seinen Auftritt nach nicht einmal 40 Minuten. "Ich werde jetzt das Feuerwerk mit euch gemeinsam anschauen", sagt er und verlässt kurz darauf die Bühne. Was folgt, dürfte in der Tat das größte und längste Feuerwerk der Geschichte dieses Landes gewesen sein. Rund 40 Minuten lang schießen rund 850.000 Raketen ihre bunten Leuchtmittel in den Himmel. Auch ein Kampfjet darf noch einmal aufsteigen. So groß das gigantische Feuerwerk an diesem 4. Juli aber auch ist, die Menschenmenge wirkt ausgerechnet zum 250. Geburtstag deutlich kleiner als in den vergangenen Jahren. Wo sonst kaum noch Platz zum Gehen war, klaffen diesmal große Löcher. Wetterextreme scheinen Trumps zweite Präsidentschaft zu begleiten. Bei seiner Amtseinführung im Januar 2025 war es so bitterkalt, dass die öffentliche Feier kurzerhand abgesagt und nach drinnen verlagert werden musste. Jetzt war es zu heiß und stürmisch. Für seine Anhänger aber ist dieser Tag trotzdem ein Riesenerfolg. An diesem historischen Datum steht dort vorn ihr Präsident und niemand sonst. Und der hat selbst einem Gewitter getrotzt. Und darum glauben sie auch an Trumps Botschaft, wonach die USA unter ihm so groß und stark wie nie zuvor geworden seien. Und dass mit ihm nun das "Goldene Zeitalter" Amerikas angebrochen sei. Als die letzten Raketen über der National Mall im Regen verglühen, machen auch sie sich auf den Heimweg. Donald Trump hat seinen großen Jubiläumsabend am Ende doch noch bekommen. Aber viele der Menschen, die dafür stundenlang in der Hitze ausgeharrt hatten, waren längst verschwunden. Der 250. Geburtstag der Vereinigten Staaten wurde gefeiert, aber doch ganz anders, als es sich seine Organisatoren vorgestellt hatten. Gegen das Wetter konnte selbst Trump nichts ausrichten.
