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Erdbeben in Venezuela: Augenzeugin berichtet von Erdstößen, Chaos und Angst

In Caracas rennen Menschen auf die Straße, andernorts stürzen Häuser ein: Eine Augenzeugin schildert die schweren Erdbeben in Venezuela. Nach den schweren Erdbeben in Venezuela ist das Ausmaß der Zerstörung noch immer unklar. Präsidentin Delcy Rodriguez bezifferte die Zahl der Todesopfer am Donnerstagmittag auf mindestens 164, fast 1.000 Menschen seien verletzt worden. Fachleute gehen von deutlich höheren Opferzahlen aus. Zehntausende Menschen werden noch vermisst. Eine Augenzeugin aus Caracas berichtet von zwei Erdstößen, die je nach Ort sehr unterschiedlich zu spüren gewesen seien. Anja Dargatz, Leiterin des Landesbüros der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) in Venezuela , befand sich zum Zeitpunkt der Beben in einem Teil der Hauptstadt, der nicht im Epizentrum liegt. "Trotzdem sind die Leute in Angst aus ihren Häusern gerannt und haben die Nacht draußen verbracht – aus Angst vor Nachbeben oder weil sie nicht sicher waren, ob die Häuser vielleicht einsturzgefährdet sind", erzählte Dargatz t-online. Dramatische Rettungsaktionen in Venezuela: Erde bebt – Zehntausende Tote befürchtet "Ich hatte noch nie so viel Angst": In Venezuela stürzen Hochhäuser ein – aus den Trümmern dringen Schreie "Dort sind große Mehrfamilienhäuser eingestürzt" Später sei sie in ihren Wohnort Chacao, einem Bezirk von Caracas, zurückgekehrt, der nach ihren Angaben deutlich stärker getroffen wurde. "Dort sind auch große Mehrfamilienhäuser eingestürzt. Die Rettungskräfte waren vor Ort. Die Lage schien hier unter Kontrolle, die Leute sehr besonnen und ruhig. Es war ja auch Hilfe da." Zumindest dort, wo sie sich am Abend bewegte, habe auch die Kommunikation noch funktioniert. Weitestgehend habe es Strom gegeben, auch wenn er in manchen Teilen zeitweise ausgefallen sei. Zwar habe es auch Kommunikationsausfälle gegeben, dennoch sei es weitgehend möglich gewesen, mit Angehörigen, Freunden und Kollegen Kontakt aufzunehmen und zu klären, wie es ihnen gehe und wo sie seien. "Dort war es besonders schlimm" Dramatisch sei die Lage nach Schilderungen ihrer Bekannten am Strand gewesen. Am 24. Juni begeht Venezuela den Jahrestag der Schlacht von Carabobo. Der landesweite gesetzliche Feiertag erinnert an den entscheidenden Sieg der Unabhängigkeitstruppen unter Simón Bolívar gegen die spanische Krone im Jahr 1821. Viele Menschen hatten den Tag offenbar am Meer verbracht. "Kollegen von mir waren am Strand, dort war es besonders schlimm", berichtete Dargatz. Dort sei es, "als würde einem der Boden unter den Füßen weggezogen", sagt sie weiter. "Die Menschen sind am Strand umgekippt wie Dominosteine. Es haben sich Risse aufgetan im Sand, Häuser in der Nähe sind eingestürzt. Dort waren Angst und Panik noch viel größer." Auch die Sorge vor einem Tsunami habe die Menschen zusätzlich verunsichert. Es gab einen entsprechenden Alarm, die Warnung sei später wieder aufgehoben worden. "Die Betroffenheit im Land ist sehr unterschiedlich. Es wird wohl noch dauern, bis wir hier einen kompletten Überblick haben." Venezuelas Präsidentin Rodriguez kündigte unterdessen einen Fonds für den Wiederaufbau von Infrastruktur, Krankenhäusern und Wohnhäusern an. Auch internationale Hilfe läuft an: Nach Angaben des Verteidigungsministeriums sollen Bundeswehr-Maschinen für Hilfseinsätze bereitgestellt werden. Unicef Deutschland kündigte 250.000 Euro Soforthilfe für betroffene Kinder an.