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Merz und Wadephul wollten eine einheitliche Außenpolitik für Deutschland

Die Bundesregierung war mit einem großen Ziel angetreten: außenpolitisch wollte Berlin mit einer einzelnen Stimme sprechen. Doch damit tun sich Bundeskanzler Merz und Außenminister Wadephul bisweilen schwer. Es waren Fehler, die sich eigentlich nicht wiederholen sollten. Die Minister der Ampel-Regierung fielen oft durch Streit auf. Während eine Partei Forderungen stellte, bremste eine andere. Das wurde nicht nur für die deutsche Bevölkerung zur Nervenprobe, sondern löste auch international Unsicherheit aus. Schließlich rätselten andere Staaten darüber, welche Position Deutschland zu gewissen Themen habe. Als Schwarz-Rot vor einem Jahr die Regierung übernahm, wollten sie vieles besser machen als ihre Vorgänger. Ganz oben auf der Agenda: eine Außenpolitik aus einem Guss. Die Bundesregierung sollte international wieder mit einer einzelnen Stimme sprechen. USA blockieren den Iran : Jetzt mischt sich China ein Ein Jahr Schwarz-Rot: Das sind die Tops und Flops im Kabinett Gelungen, so bewerten es politische Beobachter, ist das im ersten Regierungsjahr größtenteils. Zwar begreifen Kanzleramt und Auswärtiges Amt Außenpolitik schon als Teamarbeit, und die außenpolitischen Leitplanken der Bundesregierung sind deutlich erkennbar. Aber vor allem kommunikativ schießt Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) oft quer und überrumpelt damit deutsche Diplomaten und nicht zuletzt seinen Außenminister. Johann Wadephul (ebenso CDU) muss gelegentlich versuchen, diese Brände zu löschen. Ringen mit Trump Zuletzt ist das Ende April geschehen. Der Kanzler hatte gerade Schülern in Marsberg erklärt, dass Donald Trump keine Exit-Strategie für den Iran-Krieg habe und sich die USA vom iranischen Regime demütigen lassen. Der US-Präsident wütete daraufhin gegen Deutschland, kündigte in der Folge neue US-Zölle gegen Autos aus der Europäischen Union und den Abzug von mehr als 5.000 US-Soldaten aus der Bundesrepublik an. Merz beschrieb die Realität in der Golfregion. Er sagte das, was viele Menschen in Europa denken. Trotzdem war der Mehrwert für Deutschland begrenzt, denn die Bundesregierung erntete lediglich Wut aus Washington . Und im Auswärtigen Amt schlugen Diplomaten die Hände über den Kopf zusammen. Wadephul war vergangene Woche auf dem Weg nach Marokko . Bewusst wiederholte er die Kritik des Kanzlers nicht, wich Fragen nach dem transatlantischen Streit aus, versuchte den Kontext zu verrücken. "Der Bundeskanzler hat eine Warnung an Iran ausgesprochen und hat Iran deutlich gemacht, dass es in dieser Situation nicht übertreiben soll", sagte der Außenminister. Konflikt mit den USA: Deutschland steht am Pranger Nein, das hatte Merz nicht gesagt. Aber die Worte des deutschen Chefdiplomaten klingen mit Blick auf die US-Verbündeten so viel besser. Auch auf dieser Reise telefonierte Wadephul mit seinem amerikanischen Amtskollegen Marco Rubio. Während ihre Chefs lautstark stritten, bemühten sich ihre Chefdiplomaten um ein konstruktives Arbeitsklima. Zumindest gab sich Wadephuls Delegation im Anschluss des Gesprächs größte Mühe, die Zusammenarbeit positiv zu verkaufen. Dabei lässt sich durchaus argumentieren, dass ein Kanzler und ein Außenminister unterschiedliche Kommunikationsstile pflegen können. Allerdings Außenpolitik "aus einem Guss" war das nicht immer. Unmut über manche Aussagen Vielmehr legte der Kanzler unbewusst immer mal wieder kleinere Störfeuer. Er kämpfte auch außenpolitisch damit, dass jedes seiner Worte großes Gewicht bekommen kann. Wenn Merz gelegentlich sagt, was er denkt, wird es problematisch. So löste er im November 2025 mit abfälligen Bemerkungen über die brasilianische Stadt Belém nach dem Klimagipfel in Brasilien und Deutschland Empörung aus. Er erzählte, dass niemand der mitreisenden Journalisten gerne in Brasilien geblieben wäre und alle froh waren, zurück nach Deutschland zu kehren. Beim Staatsbesuch in Angola im selben Monat erklärte der Kanzler, dass er ein "ordentliches Stück deutsches Brot" vermisse. Die Folge waren keine großen diplomatischen Zerwürfnisse. Aber die Beispiele zeigen: Merz sagt oft, was er denkt. Und für Wadephul, der stets sehr diplomatisch auftreten möchte, kommen derartige Aussagen immer relativ unerwartet von der Seitenlinie. Im Zweifel muss er die kleinen Brände löschen, die der Kanzler gelegt hat, wenn auch versehentlich. Doch auch der Außenminister blieb nicht immer auf der außenpolitischen Linie der Bundesregierung. So sorgte Wadephul im November 2025 in Syrien für erhebliche Irritationen und Kritik innerhalb der Union. Nach einem Besuch in einer zerstörten Vorstadt von Damaskus äußerte er Zweifel, dass viele syrische Flüchtlinge kurzfristig freiwillig zurückkehren könnten, und bezeichnete die Lage als Orte, an denen "kaum Menschen richtig würdig leben" könnten. In einer Fraktionssitzung unterstrich er diesen Punkt noch einmal und sagte, dass Syrien "schlimmer aussehe als Deutschland 1945". Zwar skizzierte Wadephul vor allem seine Eindrücke von vor Ort und die Einschätzung seines Ministeriums. Aber es war aber nicht die außenpolitische Linie in der Koalition; Kanzleramt und auch das Innenministerium teilen diese Einschätzung nicht. Außenpolitische Erfolge Doch abseits dieser Momente ergänzten sich Merz und Wadephul eigentlich recht erfolgreich. Indien , China , Ukraine und die Vereinigten Staaten: Wadephul war oft die "Vorband", die den Antrittsbesuch des Kanzlers vorbereitete. Und das lief auf der Arbeitsebene recht erfolgreich. Das zeigte sich vor allem in der Wirtschaftsaußenpolitik. Deutschland ringt mit den Abhängigkeiten zu China und zu den USA unter Trump. Eine der wichtigsten Aufgaben in dieser Legislatur ist es, die deutsche Wirtschaft zu diversifizieren. Neu im Vergleich zu den Vorjahren ist, dass nun auch der Außenminister gelegentlich mit einer Wirtschaftsdelegation reist. Die Bundesregierung will in Schlüsselländern politische Türen öffnen, die den deutschen Firmen sonst länger verschlossen blieben, erklärten einige der mitreisenden Unternehmer t-online. Ob diese Strategie erfolgreich ist, lässt sich kurzfristig nicht sagen. Was der Bundesregierung gelang, ist der Abschluss von wichtigen EU-Handelsabkommen mit Indien oder den Mercosur-Staaten. Gleichzeitig nahm Berlin in Europa eine Führungsrolle ein, etwa bei der Unterstützung der Ukraine. Hier arbeiteten Merz und Wadephul Hand in Hand. International kommt das durchaus gut an. Deutschland ist berechenbarer geworden – und das liegt auch an der Außenpolitik aus einem Guss. Gleichzeitig ist in manchen politischen Bereichen eine Arbeitsteilung zwischen Kanzler und Außenminister möglich. Wadephul, der immer diplomatisch auftritt. Merz, der etwa im Umgang mit Trump in die Offensive geht und damit für die Mehrheit der Deutschen spricht. Letztlich profitiert in der Bewertung einer kohärenten Außenpolitik davon, dass Kanzleramt und Außenministerium in den Händen derselben Partei sind. Merz und Wadephul müssen ihre Unterschiede nicht betonen, so wie es etwa SPD und Grüne in der Ampel taten. Das führt zu mehr Ruhe in der Außenpolitik in einer Zeit mit multiplen Krisen. Manch ein Störfeuer bleibt dennoch.