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E-Autos: Preise an Ladesäulen – Konkurrenz sorgt für günstigere Tarife

Das Ladenetz für E-Autos wächst schneller als die Zahl der Stromer. Nun sinken die Preise – und kleinere Betreiber geraten unter Druck. Deutschlands Ladenetz wächst schneller als die Zahl der E-Autos – und das verändert den Markt grundlegend. Betreiber von Schnellladesäulen reagieren inzwischen mit günstigeren Tarifen, Rabattaktionen und neuen Abo-Modellen auf die wachsende Konkurrenz. Nach einer Recherche des Branchenmagazins "Automobilwoche" sinken die Preise an vielen Schnellladern bereits spürbar. Gleichzeitig geraten kleinere Anbieter zunehmend unter Druck. Nach Daten des Marktdienstleisters Cirrantic, die der "Automobilwoche" vorliegen, fiel der durchschnittliche Preis für das Schnellladen seit Herbst 2024 von 75 auf zuletzt 65 Cent pro Kilowattstunde. Mehrere Anbieter haben ihre Tarife zuletzt gesenkt. Fastned reduzierte seine Preise, Electra warb an Ostern mit deutlichen Rabatten, auch Ionity, EnBW und Aral haben ihre Tarifmodelle angepasst. Der Hintergrund: Die Ladeinfrastruktur wächst derzeit schneller als der Bestand an E-Autos. Laut Bundesnetzagentur waren Anfang April 2026 bundesweit mehr als 51.000 Schnellladepunkte und rund 149.000 Normalladepunkte in Betrieb. Wichtig zu wissen: Bei einem Ladepunkt handelt es sich um einen einzelnen Stromanschluss, nicht um eine Ladesäule. Eine Ladesäule kann mehrere Ladepunkte enthalten. Allein 2025 wuchs das öffentliche Ladenetz um mehr als 22 Prozent. Die Zahl der Elektroautos steigt zwar ebenfalls – allerdings langsamer als in vielen Prognosen erwartet. Ungenutzte Säulen, viele Schnellladeparks Das führt zu einem Widerspruch: Während Milliarden in neue Ladeparks fließen, bleiben viele Säulen oft ungenutzt. Nach Zahlen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) waren öffentliche Ladepunkte 2025 im Schnitt nur zu rund zwölf Prozent gleichzeitig belegt . Besonders entlang von Autobahnen hat sich das Angebot an Schnellladern in kurzer Zeit stark ausgeweitet. Entlang vieler Fernstraßen konkurrieren inzwischen mehrere Anbieter auf engem Raum um die Kunden. Branchenkenner sprechen von sogenannten HPC-Clustern – Standorten, an denen mehrere Schnellladeparks nur wenige Hundert Meter voneinander entfernt liegen. Wer bereits einen Tarif oder eine App eines Anbieters nutzt, fährt häufig gezielt dessen Ladepark an. Deshalb versuchen Betreiber zunehmend, Kunden langfristig über günstigere Abos oder Rabatte an sich zu binden. In den Städten mangelt es an Angeboten Von einem flächendeckenden Zuviel wollen die Betreiber dennoch nicht sprechen. "Auf Langstrecken haben wir mittlerweile eher ein Überangebot", sagte Ionity-Deutschlandchef Christoph Strecker im Gespräch mit t-online. "In Städten hingegen gibt es deutlichen Nachholbedarf, vor allem für Menschen ohne eigene Lademöglichkeit." Hier entstehen zunehmend Schnellladehubs an Supermärkten, Einkaufszentren oder wichtigen Verkehrsachsen. Entscheidend sei inzwischen weniger die reine Zahl der Ladepunkte als deren Verteilung. Das zeigen auch Daten des BDEW. Zwar sagen 82 Prozent der Fahrer, dass sie ihr E-Auto unter anderem zu Hause laden. Gleichzeitig nutzen viele Fahrer regelmäßig öffentliche Ladepunkte – etwa am Arbeitsplatz (42 Prozent), beim Einkaufen (43 Prozent), an der Straße (42 Prozent) oder unterwegs an Autobahnen (50 Prozent). Besonders Menschen in Mehrfamilienhäusern sind häufig auf öffentliche Infrastruktur angewiesen. Was zählt, ist die Auslastung Für die Anbieter wird damit nicht mehr allein der Ausbau entscheidend, sondern die Auslastung. Und das dürfte den Wettbewerb weiter verschärfen. Gerade große Anbieter wie EnBW, Aral oder Ionity haben hier einen Vorteil: Sie können ihre Netze schneller anpassen und günstigere Tarife anbieten als kleinere Wettbewerber. Einige Betreiber experimentieren bereits mit dynamischen Preisen – ähnlich wie an Tankstellen. Dabei könnten Strompreise künftig je nach Auslastung, Tageszeit oder regionaler Nachfrage schwanken. Kleine Anbieter dürften es zunehmend schwer haben, mit dem Ausbau- und Preisniveau der großen Konkurrenten mitzuhalten, Branchenbeobachter rechnen mit einer weiteren Konsolidierung des Marktes. Trotz der oft hitzigen Debatte über Ladeprobleme fällt das Urteil vieler Nutzer inzwischen positiv aus. Nach BDEW-Angaben sehen 86 Prozent der E-Autofahrer ihre Erwartungen an das öffentliche Laden erfüllt, mehr als die Hälfte sogar übertroffen.