Luxusuhren, Oldtimer, Pokémon: Was Deutsche am liebsten sammeln
Wenn Börsenkurse schwanken, setzen manche Anleger auf etwas Greifbares: Sammlerstücke mit Geschichte. Dafür legen sie gerne hohe Beträge auf den Tisch. Luxusuhren, Oldtimer oder seltene Sammelkarten gelten vielen als alternative Wertanlage – nicht zuletzt in Zeiten geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheit. Daten der Online-Auktionsplattform Catawiki zeigen, dass die Nachfrage nach solchen Objekten in Deutschland im Jahr 2025 deutlich gestiegen ist. Besonders gefragt waren Luxusuhren, Edelmetalle, Disney-Sammlerstücke und Pokémon-Karten. Selbst Autos wechselten für sechsstellige Summen den Besitzer. Welche Sammlerstücke verzeichnen die größte Nachfrage und warum investieren immer mehr Käufer ihr Geld in kulturell ikonische Objekte statt in klassische Anlagen? Käufer geben im Schnitt über 1.000 Euro aus Viele Deutsche kaufen online gebrauchte Produkte – etwa auf Plattformen wie Ebay oder Kleinanzeigen. Dort locken günstige Preise, ein nachhaltiger Gedanke und die Möglichkeit, bequem einzukaufen. Wer dagegen nach exklusiven Objekten sucht, wird eher auf spezialisierten Plattformen wie dem in den Niederlanden gegründeten Auktionshaus Catawiki fündig. Laut Angaben des Unternehmens gaben dort im vergangenen Jahr 20 Prozent mehr Menschen als im Jahr davor ein erfolgreiches Gebot ab. Insgesamt wechselten mehr als 300.000 Objekte den Besitzer, rund zehn Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Erstmals lagen die durchschnittlichen Ausgaben pro Käufer bei über 1.000 Euro im Jahr. Auch langfristig zeigt der Trend nach oben: Innerhalb von drei Jahren hat sich die Zahl der Käufer aus Deutschland auf der Plattform laut Catawiki um mehr als 115 Prozent erhöht. Luxusuhren überholen Schmuck Besonders stark wuchs das Interesse an Luxusuhren. Nach drei Jahren in Folge lösten sie Schmuck als umsatzstärkste Kategorie auf der Plattform ab. Im Jahresvergleich kauften deutsche Nutzer rund 40 Prozent mehr Chronometer. Auch bei den Suchanfragen dominieren Uhrenmarken: Sie machen etwa die Hälfte aller gesetzten Suchbenachrichtigungen deutscher Nutzer aus. Am häufigsten suchten Käufer nach Rolex, gefolgt von Cartier, Omega und Breitling. Die teuerste Uhr, die 2025 von einem Käufer aus Deutschland ersteigert wurde, war eine Rolex Sky-Dweller Everose "Blue Dial" für 62.200 Euro. Weitere hochpreisige Stücke waren eine Audemars Piguet Royal Oak Offshore aus 950er-Platin für 38.000 Euro sowie eine Cartier Pasha für 14.000 Euro. Gold und Disney-Nostalgie gefragt Neben Luxusuhren griffen viele Käufer auch zu klassischen Sachwerten. Vor dem Hintergrund geopolitischer Unsicherheiten und historisch hoher Preise für Gold und Silber stieg die Nachfrage nach Edelmetallen deutlich. Laut Catawiki nahmen Käufe von Anlagegold und -silber aus Deutschland im Jahresvergleich um 71 Prozent zu. Glanz, Macht und Triumph: Warum Gold seit Jahrtausenden begehrt ist Parallel gewann ein ganz anderer Bereich an Dynamik: Sammlerstücke mit Nostalgiefaktor. Besonders stark wuchs die Kategorie Disney. Comiczeichnungen, Figuren und weiteres Merchandise wurden fast doppelt so häufig gekauft wie im Vorjahr – ein Plus von 99 Prozent. Pokémon-Karten und Games holen auf Auch digitale Popkultur wird zunehmend zum Sammelobjekt. Käufe von Videospielen und Computern legten laut Catawiki um 41 Prozent zu, Pokémon-Karten um 38 Prozent. Das deutet darauf hin, dass neben klassischen Sammlern verstärkt jüngere Käufergruppen aktiv werden. Viele suchen nach exklusiven Objekten, deren Marktpreis im Vergleich zu ihrem kulturellen oder emotionalen Wert noch als günstig gilt. Genevieve Tearle, Managerin für Sammelobjekte bei Catawiki, erklärt, dass wirtschaftliche und geopolitische Unsicherheiten das Sammelverhalten häufig beeinflussen. In solchen Phasen investierten Käufer bewusst einen Teil ihres Geldes in physische Marken und Objekte mit kultureller Bedeutung, weil diese greifbar seien und ein Gefühl von Sicherheit vermitteln könnten. Oldtimer erzielen sechsstellige Preise Auch klassische Automobile erzielten bei Auktionen hohe Preise. Das teuerste Objekt, das 2025 von einem deutschen Käufer erworben wurde, war ein Maserati 3500 GT aus dem Jahr 1962 für 145.000 Euro. Der Maserati 3500 GT markierte den Übergang zu technisch fortschrittlicheren Versionen des ersten Serien-GT-Modells von Maserati. Nur etwa 2.000 Exemplare entstanden insgesamt, darunter limitierte Varianten von Allemano oder Vignale. Auf Verkäuferseite erzielte ein deutscher Anbieter mit einem Mercedes-Benz 280 SL Pagode aus dem Jahr 1968 den höchsten Preis: 162.000 Euro. Mit über 23.000 gebauten Exemplaren ist der 280 SL die letzte "echte" Pagode mit dem markanten, nach innen gewölbten Hardtop-Dach. Er ist der erfolgreichste Vertreter seiner Baureihe und heute ein gefragter Klassiker unter Sammlern. Besonders beliebt sind unter Sammlern klassische Sportwagen. Ein Ferrari Dino 208 GT4 aus dem Jahr 1975 erhielt 1.821 Likes auf der Plattform, ein Porsche 911 2.7 von 1976 kam auf 1.146 Likes als favorisiertes Objekt. Das zeigt laut Catawiki, wie groß das Interesse an automobilen Ikonen unter Sammlern auch weiterhin ist.
