Fehlermeldung

Deprecated function: Array and string offset access syntax with curly braces is deprecated in include_once() (line 20 of /mnt/web715/a0/94/5496894/htdocs/automotivemedia-cms/includes/file.phar.inc).

Bremen: Pascal Plikat verliert Bein – Behindertenparkplatz verwehrt

Bei einem Unfall verliert ein Familienvater sein rechtes Bein. Nicht nur das fehlende Körperteil macht ihm zu schaffen. Es ist vor allem der Behördenwahnsinn, der ihn ärgert. Der Bremer Pascal Plikat lebt mit einer schweren körperlichen Einschränkung: Nach einem Unfall wurde ihm sein rechtes Bein bis zur Mitte des Oberschenkels amputiert. Trotzdem darf der 38-Jährige keinen Behindertenparkplatz nutzen. Der Grund liegt nicht in einer medizinischen Einschätzung – sondern in einer bürokratischen Regel. Über sein Schicksal berichtet er aktuell auf der Plattform "change.org" und fordert ein Umdenken der Politik. Der 38-Jährige gilt zwar offiziell als schwerbehindert, heißt es im Beitrag. Sein Grad der Behinderung liegt bei 80. In seinem Ausweis steht außerdem das Merkzeichen "G" – für gehbehindert. Doch das reicht nicht aus, um einen Behindertenparkplatz nutzen zu dürfen. Der Grund ist eine bürokratische Einstufung. Anspruch auf die bekannten blauen Parkausweise haben nur Menschen mit dem Merkzeichen "aG", was für außergewöhnliche Gehbehinderung steht. Plikat fällt durch dieses Raster. Behörde verwehrt Parkplatz: lange Wege und Schmerzen Das Ergebnis ist für den Familienvater nicht nur nervig, es kostet Zeit und Kraft. Obwohl ihm ein Bein fehlt, muss er beim Einkaufen, beim Arzt oder beim Abholen seiner Tochter aus der Kita oft weite Wege vom Parkplatz zurücklegen. Der Alltag sei dadurch deutlich anstrengender, sagt er. Sein Stumpf entzünde sich regelmäßig, die Prothese könne er zeitweise gar nicht tragen. Dann bleibt nur der Rollstuhl oder Krücken. "Für mich entscheidet die Entfernung vom Auto zum Ziel über Schmerzen, Zeit und Würde", sagt er. Dass er dennoch keinen Behindertenparkplatz nutzen darf, hält er für absurd. "Hätte ich noch einen Arm oder ein weiteres Bein verloren, wäre ich wohl dabei", sagte er der "Bild". Plikat hatte bereits gegen die Entscheidung geklagt. Doch das Gericht entschied gegen ihn und begründete, dass er mit Prothese und Krücken ausreichend mobil sei. Der Fall stehe stellvertretend für ein grundsätzliches Problem, so der 38-Jährige. In Deutschland würden jedes Jahr bis zu 60.000 Amputationen an den unteren Extremitäten durchgeführt. Viele Betroffene verlieren damit nicht nur ein Körperteil, sondern auch ein Stück Alltagstauglichkeit. Bremens Behindertenbeauftragter pflichtet Plikat bei Doch die Regeln für Behindertenparkplätze orientieren sich stark an festen Merkzeichen im Schwerbehindertenausweis. Wer diese Kriterien nicht erfüllt, hat keinen Anspruch – selbst wenn die tatsächliche Mobilität stark eingeschränkt ist. Auch Bremens Landesbehindertenbeauftragter Arne Frankenstein sieht hier Reformbedarf. Die Voraussetzungen für das Merkzeichen "aG" seien sehr hoch und gingen "teilweise am Bedarf vorbei". Menschen, die ihre Prothese zeitweise nicht nutzen können oder im Alter schlechter laufen, fielen dadurch durchs Raster. Plikat will sich damit nicht abfinden. Er hat eine Petition gestartet und fordert eine Änderung der bundesweiten Regeln. Seine Forderung: Eine einseitige Beinamputation soll grundsätzlich als Grund für eine Parkberechtigung anerkannt werden – wenn Betroffene tatsächlich nur kurze Strecken gehen können. Sein Argument lautet: "Parkrechte sind kein Privileg, sie sind ein Ausgleich für echte Einschränkungen." Mehr als 52.000 Menschen (Stand 4. März) haben die Petition bereits unterschrieben. Für Plikat ist das ein Zeichen, dass viele den Fall ähnlich sehen. Für ihn sei die Frage dahinter größer als ein einzelner Parkplatz: Wann gilt jemand als "behindert genug" – und wer entscheidet das eigentlich?