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Ökostrom-Lücke droht: Studie warnt vor Milliarden-Folgekosten

Wärmepumpen und E-Autos sollen das Klima retten – doch es fehlt an grünem Strom. Und das könnte zu Emissionen in Milliardenhöhe und enormen Kosten für Deutschland führen. Eine neue Kurzstudie des Beratungsinstituts Enervis zeigt: Sollte der Ausbau erneuerbarer Energien weiter ausgebremst werden, reicht der Ökostrom in Deutschland künftig nicht aus, um Haushalte, Verkehr und Industrie ausreichend zu versorgen. Die Folgen wären nicht nur klimaschädlich, sondern auch teuer: Es drohen steigende CO2-Emissionen, Strafzahlungen an die EU und zusätzliche Belastungen für Verbraucher. Beauftragt wurde die Analyse von Greenpeace und dem Ökostromanbieter Green Planet Energy. Hintergrund ist der Monitoringbericht zur Energiewende, der den Strombedarf in Deutschland untersuchen soll. Branchenteilnehmer gehen davon aus, dieser werde den Ökostrombedarf zu niedrig ansetzen. Veröffentlicht wurde der Bericht allerdings noch nicht. Zwei mögliche Szenarien In der Analyse werden zwei mögliche Entwicklungen verglichen: Im sogenannten Referenzszenario hält sich Deutschland an die bisher gesteckten Klimaziele: Bis 2035 würden rund 500 Gigawatt Leistung aus erneuerbaren Energien installiert – darunter 215 Gigawatt aus Photovoltaik und 115 Gigawatt aus Windenergie an Land. Außerdem würden 15 Millionen E-Autos zugelassen und sechs Millionen Wärmepumpen verbaut. Der erwartete Strombedarf läge dann bei rund 805 Terawattstunden. Im Alternativszenario verläuft die Energiewende deutlich langsamer. Dann läge die installierte Leistung aus erneuerbaren Quellen bei etwa 377 Gigawatt – also rund 123 Gigawatt weniger. Auch die Zahl der Elektroautos und Wärmepumpen würde deutlich hinter den Plänen liegen. Dadurch sinkt der Strombedarf im Jahr 2035 auf 758 Terawattstunden – 47 Terawattstunden weniger. Teurer Rückschritt Der geringere Energieverbrauch könnte fatale Folgen haben: Denn wenn E-Autos und Heizungen nicht mit grünem Strom, sondern mit teurerem fossilen Strom betrieben werden, greifen Haushalte vermehrt auf fossile Alternativen zurück – etwa Verbrennerfahrzeuge oder Gasheizungen. Das wiederum hätte gravierende Folgen für den CO2-Ausstoß. Laut Studie steigen sodann allein im Wärmesektor die Emissionen bis 2035 um rund 231 Millionen Tonnen. Das entspricht jährlich etwa 21 Millionen Tonnen zusätzlichem CO2 – mehr als ein Fünftel des aktuellen Ausstoßes des Gebäudesektors. Im Verkehr kämen – je nach Antriebsersatz – zwischen 73 und 150 Millionen Tonnen hinzu. Im schlimmsten Fall entspräche das einem jährlichen Mehrwert von 14 Millionen Tonnen. In Summe könnten so bis zu 381 Millionen Tonnen CO2 zusätzlich ausgestoßen werden – das entspricht etwa so viel, wie Australien in einem Jahr verursacht. Mit fatalen Folgen sowohl für die Umwelt als auch für die Regierung: Deutschland würde seine Klimaziele verfehlen, Strafzahlungen an die EU drohten. Zudem steigen ab 2027 die CO2-Preise im europäischen Emissionshandel . Die sich daraus ergebenden Folgekosten für die Gesellschaft – berechnet auf Basis der Klimafolgekosten des Umweltbundesamts – liegen laut Studie bis 2030 bei bis zu 128 Milliarden Euro. Warnung vor politischer Kehrtwende Besonders kritisch sehen die Studienautoren Aussagen von Wirtschafts- und Energieministerin Katherina Reiche . Diese hatte im Vorfeld des Monitoringberichts angekündigt, den Ausbau von Wind- und Solarenergie "synchron zum Netzausbau" verlangsamen zu wollen. Greenpeace und Green Planet Energy kritisieren diesen Kurs scharf: "Wenn Ministerin Reiche jetzt Wind- und Solarenergie ausbremsen will, wäre das eine Bankrotterklärung für die Wärme- und Verkehrswende", sagt Nils Müller von Green Planet Energy. Sophia van Vügt von Greenpeace ergänzt: "Deutschland hinkt beim Umstieg auf Wärmepumpen und Elektroautos schon jetzt hinterher und reißt regelmäßig die Klimaziele." Die Bundesregierung solle nicht die Ziele senken, sondern alle Anreize auf eine schnellere Elektrifizierung ausrichten.